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23. September 1998 - nach nur sieben Wochen Vorbereitung und Arbeit am Drehbuch wird der IMAX-Traum für den Autor und Regisseur Heinz Elser Realität. Das Zeitkorsett ist eng.
Die hohen Produktionskosten zwingen uns, den Film in nur 9 Tagen abzudrehen. Die ständig wechselnden Wetterverhältnisse bei uns sind im voraus nur schwer berechenbar und können zu einer weiteren Belastung der ohnehin schon teuren und aufwendigen Produktion führen. Deutschland ist leider nicht Kalifornien! Es heißt also, jeden Tag ein hohes Risiko zu gehen.
Am besten beginnt man gleich mit der schwierigsten Szenenfolge des Drehbuchs überhaupt, um die filmischen Möglichkeiten der schweren und komplex zu bedienenden IMAX-Kamera auszuloten. Es dauert Stunden, bis das Motiv der Rallye Peking - Paris von Regisseur Heinz Elser und Kameramann Dominique Gentil ins Bild gesetzt ist. Oldtimer sind schwierige Hauptdarsteller, - jeder zuverlässig aber mit eigenem Charakter. Mal mit Lust, - mal mit Widerwillen absolvieren sie ihren Auftritt.
Die Sonne wandert und die Nerven spannen sich. Immer mehr rückt starkes Gegenlicht das Motiv in eine diffuse Ausleuchtung. Ein riesiger Reflektor muß zusätzlich aufgestellt werden. Dann kann es losgehen: Ein 300 Meter langer staubiger Feldweg und zwei belichtete Filmrollen erzählen von den Strapazen der im Jahre 1905 gestarteten Rallye Peking-Paris.
Später Nachmittag, - in zwei Stunden ist das Licht weg, aber die erste Lektion ist gelernt: - das Arbeiten mit der schweren IMAX-Kamera ist ein kräftezehrendes Filmen. Drehfertig ausgerüstet, bestimmt sie mit ihren 150 Pfund Gewicht das Tempo der Produktion. Kameraeinstellungen wie z.B. die Großaufnahme des Kettenantriebs von einem seitlichen Car-Rig aus, gestalten sich unerwartet aufwendig und schwierig.
Und immer wieder heißt es vor dem Einlegen einer neuen Filmrolle die Kamera zu übeprüfen und ihre komplizierte Mechanik zu säubern. - Jedes Staubkorn auf dem Negativmaterial wäre später auf der gigantischen 800 Quadratmeter großen Leinwand fußballgroß.
Zweiter Drehtag: - die Nacht war kurz. Wir wissen jetzt, - bei IMAX ist nichts einfach! Schon sehr früh morgens heißt es daher für Kamera-Assistent David Aim die Kamera vorzubereiten und mit feingliedrigen Fingern den Film in die komplizierte horizontale Führung einzufädeln. Das kostet viel Konzentration und Zeit, - und das manchmal viel zu oft. Ein Preis der extrem hohen IMAX-Qualität: das 70-mm-Filmmaterial rast mit 1,7 - also fast 2 Metern pro Sekunde durch die Kamera, - viermal schneller als ein 35-mm-Film. Und das Magazin mit 1.000 Fuß, also 305 Metern reicht nur für eine Aufnahmezeit von 3 Minuten. Dann heißt es wieder 30 Minuten warten, bis die Kamera erneut drehbereit ist. |
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Einen IMAX-Film zu produzieren ist extrem teuer. Bei künstlerischen Entscheidungen hinsichtlich der Motivauswahl, Kameraführung und Bildgestaltung muß alles gleich perfekt sitzen. Das sehr breite Blickfeld der Kamera verstärkt zudem eventuelle Strobe-Effekt-Störungen. Schwenks und Dolly-Fahrten müssen daher möglichst langsam ausgeführt werden. Ein 90-Grad-Schwenk sollte etwa auf 25 Sekunden angelegt sein, - ein Drahtseilakt für die Produktion eines Kurzfilms! Auch bei der Dolly-Fahrt heißt es, den Ferrari langsamer, also mit 18 statt 24 Bildern zu filmen, um ihn dann später mit der normalen Geschwindigkeit zu projizieren. Damit ist er schnell genug.
Die Installation der schweren Kamera auf einem kleinen Boot ist dann fast schon entnervend. Es braucht, wie so oft während der Dreharbeiten, die Experimentierfreude des ganzen Teams und die tatkräftige Mithilfe des THW Speyer um die Jungfernfahrt des historischen Maybach-Bootes im Film lebendig werden zu lassen. Der Nachmittag ist deshalb fast schon vorbei, als die Kamera auf ihre Drehposition zusteuern kann. Zahlreiche Probefahrten sind notwendig, bis sich das Maybach-Boot im Rahmen des gewünschten Bildausschnittes bewegt und die Geschwindigkeit der Boote so abgestimmt ist, daß die IMAX-Kamera die malerischen Bilder einer Ausflugsgesellschaft des 19. Jahrhunderts einfangen kann.
Bei Dreharbeiten ist es oft so, daß sich Unvorhergesehenes ereignet, - vor allem wenn Oldtimer die Filmstars sind. Ereignisse wie das Internationale Maybach-Treffen in Speyer lassen dann schnell die auf dem Papier ausgetüftelten Szenen vergessen. Und die Entscheidung, mit der IMAX-Kamera in einem Maybach mitzufahren, war dann doch um vieles eindrucksvoller als die am Schreibtisch ersonnene Einstellung.
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Letzter Drehtag - Flug der Junkers Ju 52. - Der Flug unserer legendären Hauptdarstellerin von Speyer nach Sinsheim - begleitet von einer Emmen C 3605 wird dem Film seine Erzählstruktur geben. Das Wetter meint es nach drei Regentagen einigermaßen gut . - Aber nichts ist für einen Regisseur schwieriger, als den Drehablauf für zwei Flugzeuge in der Luft zu organisieren. Es herrscht Spannung, denn Zufällen kann man sich in der Luft nicht anvertrauen. Der Kameramann braucht über den Zielpunkten verläßliche Flugbewegungen, denen er vom Helicopter aus mit der Kamera folgen kann.
Einen kompletten Tag dauert es, den Eurocopter mit einer speziellen Kamera-Aufhängung aus England aufzurüsten. Ein Tyler-Major-Mount mit einer elektronisch gesteuerten Mehr-Achs-Kreisel- Stabilisierung soll die auf die IMAX-Kamera einwirkenden Vibrationskräfte neutralisieren.
Start - Konzentration - und volle Beschleunigung! - Der Eurocopter fliegt am Limit. Starken Fliehkräften ausgesetzt, hat er Mühe, der Ju 52 auf der äußeren, längeren Kreisbahn in ihrem Rundflug um den Speyerer Dom zu folgen. Eiskalte Luft schlägt der Kamera entgegen. Auf gleicher Höhe oder etwas darüber, - mit dem 40-mm-Weitwinkel-Objektiv heißt es über Heidelberg und Sinsheim möglichst nah an die Tragfläche der Ju heranzufliegen. - Nach zweieinhalb Stunden Luftaufnahme hat unsere Geschichte die Flügel atemberaubender Bilder.
Der IMAX-Film Klassiker wird täglich im den IMAX-Filmtheatern der Technik-Museen Sinsheim und Speyer gezeigt.
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