29. Dezember 1999 - ein grauer Himmel spannt sich über Speyer. Über fünfzehntausend Menschen haben sich seit 11 Uhr morgens um den Flugplatz Speyer versammelt. Ein rauher Wind kriecht von Westen über das Rollfeld. Kurz vor 14 Uhr bricht ein gedämpftes Dröhnen durch die niedrig ziehenden Wol ken.
Das weltgrößte, von Propellerturbinen angetriebene, Transportflugzeug ist im Landeanflug. Stählerngrau nehmen die rund einhundertzwanzig Tonnen der An-22 Kurs auf die Landebahn. Unter dem Donner von 60.000 PS zittert der Boden. Pilot Victor Gontscharow und seine Crew nehmen erst einmal Maß. Zweimal steuern sie ihren Koloss im Tiefflug über den Platz um dann gleich wieder durchzustarten. 14.10 Uhr. Höhe, Geschwindigkeit und Anflugwinkel stimmen. Tief und langsam wie in Zeitlupe schwebt die Antonov ein, um dann punktgenau auf der Piste aufzusetzen. Das größte Abenteuer, das bisher im Technik Museum Speyer stattfand, war erfolgreich bewältigt.
Über den langen Zeithorizont von vierzehn Monaten wurde am Projekt ANTONOV gearbeitet. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 ist es dann endlich soweit: eine Museumsdelegation bricht nach Kiew auf, um die An-22 zu überführen. Eine Kamera begleitet sie dabei und zeigt erstmals Bilder von Gostomel, dem bislang geheimen Testgelände der sowjetisch-ukrainischen Luftfahrtindustrie. Die V erhandlungen gestalten sich schwieriger als erwartet, doch wenige Minuten bevor ein von Süden auf Kiew zurasende Schneesturm den Start verhindern kann, gelingt es, die An-22 nach Deutschland auszufliegen. Baden-Airpark Söllingen, ein Filmteam beobachtet aus nächster Nähe die Vorflugbereitungen für die riskante Landung in Speyer. Für den 120-Tonnen-Koloss wird dies eine Landung wie auf einem Flugzeugträger sein. Auf dem Speyerer Flugplatz erwarten ihn sieben Kameras. Nach zwei spektakulären Tiefflügen setzt die riesige Antonov auf.
Dieses Jahrhundertereignis für Speyer erleben Sie in einem spannenden 60minütigen Dokumentarfilm hautnah mit. Zwischendurch besuchen Sie den Luftwaffenstützpunkt Miganovo bei Tver, 150 Kilometer nördlich von Moskau. Allein dreißig An-22 sind dort noch stationiert. Welch ein gigantischer logistischer Kraftakt zur Erschließung Nordsibiriens mit der An-22 möglich war, zeigen eindrucksvoll sowjetische Aufnahmen aus dem Jahre 1967. Und in einem Exklusiv-Interview mit Chef-Konstrukteur Mykola Yaresko erfahren Sie mehr über die besonderen Konstruktionsprinzipien bei der Entwicklung dieses Weltrekordflugzeugs |